Eigentlich konnte nichts schief gehen
als ein großer Chemiekonzern einen
seiner Manager zu einer Tochtergesell-
schaft ins kanadische Montreal schick-
te. Schließlich war der Mann fachlich
kompetent, schon oft in den USA gewe-
sen und sprach gut englisch.
Dennoch wurde der Einsatz zum
Desaster. Drei Viertel der Mitarbeiter
sprachen nur französisch. Sie erledig-
ten die ihnen übertragenen Aufgaben
nur unzureichend, und der Manager
war mit seinem Latein schnell am En-
de. Verzweifelt flog er nach Deutschland
zurück und wandte sich an Christoph
Barmeyer, Chef der internationalen Ma-
nagementberatung Culture Bridge in
Karlsruhe. Der Kulturwirt mit Promoti-
on in interkulturellem Management hat
sich als Coach auf das frankophone Ka-
nada und Frankreich spezialisiert.
»Der Manager hatte einfach die inter-
kulturellen Unterschiede unterschätzt«,
diagnostizierte Barmeyer. Schließlich
könnten Führungskräfte nur delegie-
ren, wenn sie auch kompetente Mitar-
beiter haben. Doch in Kanada fehle die-
se Kompetenz häufig und die Aufgaben
könnten daher nicht entsprechend erle-
digt werden.
Situationen wie diese kennt Bar-
meyer aus vielen Unternehmen. »Das
bestätigt Uta Friege, Direktorin für Trai-
ning und Personalentwicklung bei der
Citibank Privatkunden AG&Co KG in
Düsseldorf. »Der internationale Aspekt
wird zunehmend wichtiger.« Schließ-
lich gebe es nicht nur Deutsche, die
ins Ausland gehen, oder Ausländer, die
nach Deutschland kommen, sondern
auch immer mehr länderübergreifende
Projekte. »Manager, die solche interna-
tionalen Projekte steuern, müssen eine
entsprechende Sensibilität für kulturelle
Unterschiede entwickeln«, sagt Friege.
Zum Beispiel bei Teambesprechungen.
Was macht man, wenn die Spanier im-
mer 15 Minuten zu spät kommen, weil
pünktliches Erscheinen in Spanien als
unhöflich gilt? Und wie geht man damit
bei der Leistungsbeurteilung um?
Markt für Telefon-Coaching
»Mit dem grenzüberschreitenden Ge-
schäft nehmen auch die Schwierigkeiten
zu«, sagt auch Bernd Kappel, Geschäfts-
führer der ISD GmbH in Stuttgart. Dabei
biete gerade das Coaching Lösungen,
die oftmals mit einem relativ geringen
Aufwand verbunden sind. Seit Mitte der
80er Jahre bietet der Sozialwissenschaft-
ler interkulturelle Trainings an. »Häufig
buchen die Unternehmen ein vorbe-
reitendes, interkulturelles Training und
daraus entwickelt sich ein Coachingauf-
trag«, erzählt Kappel. So stellten viele
Seminarteilnehmer fest, dass sie die
Informationen eigentlich erst richtig ge-
brauchen können, wenn sie vor Ort sind.
Daraus entstehe häufig der Wunsch, sich
weiter coachen zu lassen.
Kappel trifft sich dann alle vier bis
sechs Wochen mit seinen Kunden ent-
weder in Deutschland oder im Zielland,
wobei er sich auf Spanien und Latein-
amerika spezialisiert hat und selbst oft
in Spanien ist. Oder man telefoniert
zwei- bis dreimal in der Woche und geht
die aktuellen Probleme durch. Seine
Auftraggeber sind vor allem die gro-
ßen Dax-Unternehmen. Mittelständler
nutzten das Angebot noch selten. »Da
muss man oftmals erst erklären, was
es bringt«, sagt Kappel. Doch nicht nur
Deutsche im Ausland brauchen Unter-
stützung in Sachen Kultur, auch Auslän-
der in Deutschland scheitern oftmals an
interkulturellen Fettnäpfchen.
Das erlebt Sabine Dembkowski im-
mer wieder. Da komme zum Beispiel ein
amerikanischer Manager für zwei Jahre
nach Deutschland, um einen größeren
Veränderungsprozess zu leiten oder ei-
ne Business Unit zum Erfolg zu führen.
»Der wird mit deutschen Einstellungen
konfrontiert, die er überhaupt nicht
versteht«, weiß die Direktorin von »The
Coaching Centre« in Köln und London.
Das beginne etwa damit, dass deutsche
Manager den von ihm geforderten Ar-
beitseinsatz nicht akzeptieren, weil sie
keine Lust hätten, immer bis Mitter-
nacht zu arbeiten und ihr Familienleben
völlig aufs Eis zu legen. »Das amerikani-
sche Wertesystem ist einfach ganz an-
ders«, erklärt Dembkowski, die mehrere
internationale Coaching
ausbildung ab-
solviert hat und zehn Jahre in England
lebte.
Dazu käme die Konfrontation mit
Dingen wie Betriebsrat, Betriebsver-
fassungsgesetz und Gewerkschaften.
»Amerikanische Manager verstehen
manchmal gar nicht, warum sie sich
damit auseinander setzen sollen«, sagt
die Beraterin. Natürlich kämen sie dann
auch mit ihrem Veränderungsprozess
nicht weiter, weil die Mitarbeiter nicht
mitziehen.
Coaches seien daher zunehmend
gefordert, die internationale Kompo-
nente in ihre Arbeit mit einzubeziehen.
Sie müssten das »Andere« identifizieren
und sich bewusst machen, um es dann in
der passenden Situation auch gezielt zu
coaching
46 wirtschaft & weiterbildung
| September 2005
Coaches mit internationaler
Erfahrung gesucht
COACHINGMARKT.
Weil die Arbeitswelt immer globaler wird, sind auch Coaches mit interkulturellem Know-how
immer gefragter. Doch nur wenige sind dafür qualifiziert. Mit dem Besuch eines Sprachkurses ist nicht getan.
Man braucht einen Businesshintergrund, eine Coachingausbildung und interkulturelles Wissen und Erfahrung.